Barrierefreiheit erreicht ein neues Level: Digitale Innovationen wie Künstliche Intelligenz, Augmented und Virtual Reality eröffnen Menschen mit Behinderungen neue Wege zu Bildung, Arbeit und sozialem Austausch. Während das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ab 2025 Unternehmen verpflichtet, ihre Angebote barrierefrei zu gestalten, gehen technologische Entwicklungen bereits weit darüber hinaus. (Bundesministerium des Innern und für Heimat, 2024a) „Barrierefreiheit 2.0“ zeigt, wie digitale Technologien Hindernisse abbauen, Erlebnisse ohne physische Einschränkungen ermöglichen und so die Welt für alle zugänglicher machen sollen.
Relevanz und Bedeutung digitaler Barrierefreiheit
„Digitale Barrierefreiheit umfasst alle Bereiche, die einen Zugang zum Internet oder digitalen Anwendungen für alle Nutzenden möglich machen.“ (Bundesministerium des Innern und für Heimat, 2024b) Das folgende Video erklärt exemplarisch die Grundlagen digitaler Barrierefreiheit und verdeutlicht die Signifikanz für Menschen mit Behinderung:
Digitale Tools
1. Augmented Reality (AR):
AR erweitert die physische Umgebung des Nutzers durch die Integration digitaler Informationen, die in Echtzeit mit der realen Welt verknüpft werden. (SAP Deutschland SE & Co. KG, 2024)
Praxisbeispiel
IncluMOVE als Assistenzsystem nutzt AR zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen im Berufsleben, insbesondere bei Montagetätigkeiten. Die Software fördert inklusives Lernen und Arbeiten durch Projektionen, die visuelle Anleitungen und Hilfestellungen bieten. Ein Kamerasystem mit Objekterkennung sorgt für die richtige Ausführung der Aufgaben, während ein virtueller Assistent multimediale Anweisungen an die kognitiven Bedürfnisse der Nutzer anpasst. Das System fördert durch spielerische Elemente sowohl Lernprozesse als auch Fehlervermeidung. (Nicolas, Sawall, & Dr. Berg, 2021)
2. Künstliche Intelligenz (KI):
KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das menschliche kognitive Fähigkeiten imitiert. Dies geschieht durch den Einsatz von Algorithmen und maschinellem Lernen, wodurch das System mit Hilfe von Wiederholungen aus Daten lernt. (Das Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS, 2024)
Praxisbeispiel
Seeing AI ist eine Smartphone-App, die Menschen mit Sehbehinderung das virtuelle Sehen ermöglicht. Mithilfe der Smartphone-Kamera werden Objekte identifiziert, um diese zu verbalisieren. (Meisel & Ronsdorf, 2024)
3. Virtuelle Realität (VR)
VR bezeichnet eine digitale, künstliche Welt, die durch spezialisierte Technologie erzeugt und erlebbar gemacht wird. Mithilfe einer VR-Brille kann der Mensch in einer 360°-Umgebung in die interaktive virtuelle Welt eintauchen. (World of VR, 2024)
Praxisbeispiel
Ein Forschungsteam der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat eine virtuelle Lernumgebung für Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum entwickelt. Diese innovative VR-Anwendung hilft Nutzer*innen soziale Interaktionen in einer sicheren, virtuellen Umgebung zu üben. Die Simulation realitätsnaher Alltagssituationen, wie einer Busfahrt, fordert diese auf, Entscheidungen zu treffen und erleichtert ihnen den Umgang mit sozialen und emotionalen Signalen, wie Mimik und Gestik. (Autismus Südbaden e.V., 2024)
Herausforderungen
Grothus, Thesing, & Feldmann fassen die wesentlichen Herausforderungen beim Einsatz von XR-Technologien wie folgt zusammen:
- Technologie: begrenzte Akkulaufzeit, eingeschränktes Sichtfeld, eingeschränkte Auflösung, niedrige Grafikleistung
- Darstellung: niedrige Auflösung der Displays resultieren in schlechter Darstellungsqualität
- Interaktion: komplexe Handhabung von Controllern sowie das Erlernen spezifischer Bewegungsabläufe.
- Mobilität: Geringe Akkulaufzeit erfordert Netzwerkanbindung
- Material: Empfindlichkeit der Geräte gegenüber äußeren Einwirkungen (Stöße, Feuchtigkeit und Lichtverhältnisse)
- Gesellschaft: Akzeptanz bei Anwendung ist abhängig von Alter und Vorerfahrung mit der Technologie
- Personal: Mangel an qualifiziertem Personal für die Entwicklung und Einführung von XR-Anwendungen.
- Sozial: Möglicher Abbau von Arbeitsplätzen und Datenschutzbedenken
- Technologische Infrastruktur: Notwendigkeit für Schnittstellen und Anpassungen an bestehende Unternehmenssoftware (Grothus, Thesing, & Feldmann, 2021)
Fazit und Ausblick
In der Zukunft der digitalen Barrierefreiheit steckt volles Potenzial. Durch technologische Innovationen wie KI, AR und VR entsteht die Möglichkeit, eine inklusivere Gesellschaft zu gestalten, in der Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt an der digitalen Welt teilhaben können. Durch notwendige digitale Kompetenzen und einem integrativen Entwicklungsprozess kann sichergestellt werden, dass diese Technologien Barrieren abbauen und dabei verhindern selbst neue schaffen. Trotz diverser Herausforderungen durch die Technologie eröffnet Digitale Barrierefreiheit 2.0 neue Chancen, um eine inklusive Gesellschaft zu schaffen.
Literaturverzeichnis
Autismus Südbaden e.V. (2024). Mit VR-Brillen den Alltag trainieren. Abgerufen am 12. 11.2024 von https://ass-suedbaden.de/2024/02/03/mit-vr-brillen-den-alltag-trainieren/
Bundesministerium des Innern und für Heimat. (2024a). Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Abgerufen am 12.11.2024 von https://www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de/Webs/PB/DE/gesetze-und-richtlinien/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz-node.html
Bundesministerium des Innern und für Heimat. (2024b). Lexikon: Digitale Barrierefreiheit. Abgerufen am 11.11.2024 von https://www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de/Webs/PB/DE/service/lexikon/functions/bmi-lexikon.html?cms_lv3=18581542&cms_lv2=18267328#:~:text=Digitale%20Barrierefreiheit%20umfasst%20alle%20Bereiche,für%20alle%20Nutzenden%20möglich%20machen.
Das Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS. (2024). Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. Abgerufen am 11.11.2024 von https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html
Domingos de Oliveira. (o.D.). Digitale Barrierefreiheit: Schulung, Begleitung, Tests. Abgerufen am 11.11.2024 von https://www.netz-barrierefrei.de/wordpress/augumented-reality-und-barrierefreiheit/
Grothus, A., Thesing, T., & Feldmann, C. (2021). Digitale Geschäftsmodell- Innovation mit Augmented Reality und Virtual Reality. Berlin: Springer Gabler.
Meisel, P., & Ronsdorf, J. (2024). KI & Inklusion: Technologien mit und für Menschen mit Behinderung entwickeln. Abgerufen am 11.11.2024 von https://news.microsoft.com/de-de/features/ki-inklusion-technologien-mit-und-fuer-menschen-mit-behinderung-entwickeln/
Nicolas, J., Sawall, P., & Dr. Berg, H. (2021). Augmented Reality- Anwendungsmöglichkeiten im Refurbishment in einem Inklusionsumfeld. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.
SAP Deutschland SE & Co. KG. (2024). Was ist Augmented Reality (AR)? Abgerufen am 11.11.2024 von https://www.sap.com/germany/products/scm/industry-4-0/what-is-augmented-reality.html
World of VR. (2024). Virtual Reality (VR): Definition, Technik & Potential. Abgerufen am 11.11.2024 von https://worldofvr.de/virtual-reality-vr-definition-technik-potenzial-update-2021-2/
Titelbildquelle:
Foto von RDNE Stock project von PEXELS veröffentlicht am 28.05.2021 über https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-technologie-paddel-tech-8098272/, abgerufen 27.02.2025
Videoquelle:
Video „Digitale Barrierefreiheit“ von youknow, veröffentlicht am 01.12.2020 über https://youtu.be/AAyyDRu909M abgerufen am 11.11.2024, Website: https://you-know.de
schriftliche Genehmigung des Erstellers/ Genehmigung in Videobeschreibung vermerkt, unter https://youtu.be/AAyyDRu909M