By Published On: 26. März 2025Categories: Digitalisierung, Inklusion, Soziales, Technologie

Künstliche Intelligenz bietet zahlreiche Technologien, welche die berufliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung verbessern können. KI-Systeme können Beeinträchtigungen abmildern oder ausgleichen und so die Selbstbestimmung sowie Unabhängigkeit im Arbeitsleben stärken (Steil et al. 2023, S. 22–23). Dieser Beitrag beleuchtet die Unterstützungsmöglichkeiten und Gelingensbedingungen für den Einsatz von KI zur Förderung der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung.  


KI-gestützte Unterstützungsmöglichkeiten – ein Überblick

Unterstützung bei kognitiver Beeinträchtigung

KI-Systeme unterstützen bei unterschiedlichen kognitiven Anforderungen im Arbeitsleben. Sprachmodelle wie ChatGPT können verschiedene Texte erstellen und KI-gestützte Apps erleichtern die Übersetzung in Leichte und Einfache Sprache. Allerdings erfüllen sie die Anforderungen an Verständlichkeit und gesetzeskonforme Barrierefreiheit noch nicht vollständig (Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik o. J.). Beim Erlernen neuer Arbeitsabläufe zeigt das Projekt ADAMAAS, wie eine intelligente Datenbrille, im Arbeitsablauf individuelle Handlungsprobleme identifizieren und entsprechend nutzer- und handlungsspezifische Unterstützung bieten kann (Essig, Strenge, Schack, 2018, S. 33). Darüber hinaus können KI-gesteuerte Systeme beim Trainieren sozialer Interaktion eingesetzt werden. So bietet das Projekt EmpaT interaktive Coaching Avatare zum Üben von Bewerbungssituationen. Weitere KI-basierte Tools fördern die Emotionserkennung wie die E.V.A.-App und EmotAsS, das Emotionserkennung unterstützt und Handlungsempfehlungen bietet (Steil et al. 2023, S. 17–18; ki-kompass-inklusiv o. J. b.).

Unterstützung bei körperlicher Beeinträchtigung

KI-basierte Tools befähigen Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, Aufgaben auszuführen, die für sie ohne technologische Unterstützung nicht machbar wären. Einsatzbereiche sind unter anderem verschiedene Ansteuerungssysteme für Computer, wie die Augensteuerung GazeFirst oder die Spracherkennungs-Software Dragon, welche sowohl Kommunikation als auch digitale Arbeitsprozesse ermöglichen. Für Menschen mit Sprachbeeinträchtigung gibt es bereits zahlreiche Text-to-Speech Apps und bei undeutlicher Aussprache übersetzt die Spracherkennungs-App Voiceitt2 in verständliche Sprache. KI-gestützte Prothesen, Exoskelette oder Orthesen können körperliche Beeinträchtigungen ausgleichen und Menschen bei körperlich schweren Tätigkeiten entlasten. Arbeitsabläufe die komplexe oder schwere Tätigkeiten umfassen, bieten kollaborative KI-gestützte Roboter assistive Unterstützung (Steil et al. 2023, S. 15–16; ki-kompass-inklusiv o. J. b.).

Unterstützung bei Wahrnehmungsbeeinträchtigung

Kommunikation ist für die Teilhabe am Arbeitsleben von großer Bedeutung. KI-basierte Tools können verschiedenste Sprachbarrieren abbauen und Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung assistieren. Echtzeit-Übersetzung in Gebärdensprache oder Text sowie umgekehrt, erleichtern die Verständigung. Auch Übersetzungssoftware wie DeepL vereinfacht den beruflichen Alltag. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung bieten KI-gestützte visuelle Hilfen wie OrCam MyEye Pro wertvolle Hilfe. Diese intelligente Kamera für die Brille, erkennt Gesichter und Produkte oder liest Texte vor, befähigt Betroffene berufliche Tätigkeiten eigenständig auszuüben und sich im Betrieb zurechtzufinden (Steil et al. 2023, S. 17; ki-kompass-inklusiv o. J. b).

Unterstützung bei psychischer Beeinträchtigung

KI-Systeme können bei der Erkennung von Überlastungsanzeichen und der Bewältigung emotional schwieriger Situationen im Berufsleben helfen. Eine Möglichkeit hierfür bietet EmmA-App und Biofeedback. Des Weiteren können KI-basierte Technologien Lernaufgaben an die individuellen Fortschritte und Bedürfnisse des Einzelnen anpassen. AirCrumb eine Lernplattform und App die KI gesteuertes modulares Lernen mit Stimmungstracking verbindet, bietet somit ein individuell angepasstes motivierendes Lernprogramm (Steil et al. 2023, S. 18–19; ki-kompass-inklusiv o. J. b).  


Gelingensbedingungen

Damit Menschen mit Beeinträchtigung von KI-Technologien profitieren können, sind eine systematische Einführung und nachhaltige Nutzung von KI-Systemen in der Teilhabe am Arbeitsleben entscheidend. Im Projekt KI-ASSIST wurden dafür technische, nutzer*innenbezogene und organisatorische Gelingensbedingungen ermittelt.
Technische Voraussetzungen: Die „Verfügbarkeit geeigneter, funktionsfähiger und rechtskonformer“ (Blanc, Feichtenbeiner, Beudt, Pinkwart, 2021, S. 405) KI-Systeme ist wesentlich. Zudem sollten die Technologien eine langfristige Nutzung und Weiterentwicklung ermöglichen, sowie intuitiv und selbstständig bedienbar sein.
Nutzer*innenbezogene Voraussetzungen: KI-Systeme sollten individuelle Bedarfe erfüllen, spürbaren Nutzen schaffen, benutzerfreundlich und unauffällig sein. Außerdem sind die Mediennutzungspräferenzen und -kompetenzen der Nutzer*innen und des Arbeitsumfeldes entscheidend.
Organisationale Voraussetzungen: Ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis und staatliche Förderungen sind zentral. Zudem müssen Einrichtungen die KI-Systeme praktisch erproben können, um ihren Mehrwert für Menschen mit Beeinträchtigung und Unternehmen beurteilen zu können (Blanc et al. 2021, S. 405–406). 


Projekt KI Kompass Inklusiv

KI Kompass Inklusiv baut als Folgeprojekt von KI-ASSIST, ein „Kompetenzzentrum für KI-gestützte Assistenztechnologien und Inklusion im Arbeitsleben“ (ki-kompass-inklusiv o. J. a) auf. Es entwickelt Informations-, Beratungs- und Schulungsangebote sowie Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung und weitere Zielgruppen. In Praxislaboren wird der Einsatz KI-gestützter Assistenzsysteme mit Betroffenen und Beteiligten erforscht. Ein Technologie-Monitor dient als Datenbank für KI-gestützte Assistenztechnologien. Ergänzend werden Beratungen, Schulungen und Technologiedemonstrationen angeboten und weiterentwickelt (ki-kompass-inklusiv o. J. a).   


Fazit

KI hat das Potenzial Barrieren abzubauen und die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Beeinträchtigung zu verbessern. Die aktive Einbeziehung der Menschen mit Beeinträchtigung und der beteiligten Akteure in die Entwicklung und Implementierung von KI-Systemen ist hierbei entscheidend. Zudem Bedarf es staatlicher Unterstützung, um rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen zu sichern. Der KI Kompass Inklusiv ist ein vielversprechendes Projekt, die KI-gestützte Teilhabe im Arbeitsleben voranzubringen.

Literaturverzeichnis

Blanc, B.; Feichtenbeiner, R.; Beudt, S.; Pinkwart, N. (2021): KI in der beruflichen Rehabilitation – Intelligente Assistenz für Menschen mit Behinderung. In: I. Knappertsbusch und K. Gondlach (Hg.): Arbeitswelt und KI 2030. S. 401–410, Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Essig, K.; Strenge, B.; Schack, T. (2018): Die intelligente ADAMAAS-Datenbrille – Chancen und Risiken des Einsatzes mobiler assistiver Technologien für die Inklusion. In: A. Burchardt und H. Uszkoreit (Hg.): IT für soziale Inklusion: S. 33–40, Oldenburg: De Gruyter.

ki-kompass-inklusiv (o. J. a): ki-kompass-inklusiv. Online verfügbar unter https://ki-kompass-inklusiv.de/ueber-ki-kompass-inklusiv/, zuletzt geprüft am 12.02.2025.

ki-kompass-inklusiv (o. J. b): Technologie-Monitor. Online verfügbar unter https://ki-kompass-inklusiv.de/technologie-monitor/?tsq=&o=&lmc=25, zuletzt geprüft am 10.02.2025.

Steil, J. J.; Bullinger-Hoffmann, A.; Adolph, L.; André, E.; Deml, B.; Fabian, J.-H.; Heesen, J.; Huchler, N.; Hühnert, T.; Neburger, R.; Peissner, M.; Reißner, N.; Stich, A.; Werne, J. (2023): Mit KI zu mehr Teilhabe in der Arbeitswelt. Hg. v. Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz. Online verfügbar unter https://www.plattform-lernende-systeme.de/files/Downloads/Publikationen/AG2_WP_KI_Teilhabe_in_der_Arbeitswelt.pdf, zuletzt geprüft am 12.02.2025

Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (o. J.): Publikationen – Fachliche Einordnung von KI-Übersetzungstools für Leichte Sprache. Online verfügbar unter https://www.bfit-bund.de/DE/Publikation/Stellungnahme-ki-tools.html, zuletzt geprüft am 21.02.2025.

Titelbildquelle

Titelbild von Mohamed Hassan veröffentlicht am 23.06.2025 unter https://pixabay.com/vectors/programming-robot-cyborg-8844154/ abgerufen am 02.03.2025

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